Uschi, ich hab‘ einen…

In dem Milieu tropfnasser Achselhöhlen gefangen und stümperhaft nach Luft schnappend, fragte ich mich, wie es nur soweit kommen konnte. Gut, ich hätte einfach gehen können. Doch hätte eine voreilige Flucht nur das unvermeidliche hinausgezögert. Früher oder später kriegen sie einen doch. Denn: Wenn die Mitfünfziger-Wirtin einer dunklen feucht-modrigen Spelunke morgens um halb sechs „tanzen“ möchte, dann wird nicht lange herum diskutiert. Schon gar nicht mit diesen verschüchterten Neuling, der viel zu zufrieden dreinschaut, als er vom Anschein nach sein dürfte.

Es wäre auch zu schön gewesen. Nach stressigen Wochen, Tagen und gerade auch nach diesen Abend noch einmal die Seele baumeln zu lassen, bevor man sich mit den unausweichlichen Auswirkungen der alkoholischen Eskapade stellen muss. „Haben Sie auch Jim Beam Black?“, begann ich schüchtern, leicht säuselnd, zu fragen. „Wat?“, kam spröde und agressiv zurück. „Gerne auf Eis!“, eskalierte ich.

Was dann folgte war eine kurze Abfolge von halb gelallten, weniger gut gemeinten, Getränke- und Verhaltensvorschlägen. Es endete dann im üblichen Gedeck. Wobei ich durch geniales Verhandlungsgeschick gerade eben noch den Korn durch einen trendigen Jägermeister ersetzen konnte. Zu eben jener Verhandlung gehörte auch das Eingeständnis, als einziger noch des Stehens fähiger, Tanzpartner herhalten zu müssen.

Ich hielt her. Und während ich Rehgleich unbeholfen zwischen den Pranken und den erstaunlich geschwungenen Bewegungen der Wirtin mein Versprechen einlöste, hoffend darauf bloß genug Alkohol zu mir genommen zu haben, damit morgen keine Erinnerung daran übrig bleibt, sprang die Tür auf und die sturzbetrunkenen Mitglieder des hiesigen Damenkegelklubs, dessen Vorsitzende die Wirtin ist, kamen herein.

„Uschi, ich hab‘ einen!“.