Applaus, liebe ÖPNV-Angestellte!

„Genug gespart!“, schreit Ihr heutzutage lauthals vor dem Betriebshof dieser schönen Stadt und lacht Euch kringelig, das andere ohne Euch nur schwierig das schnöde Geld verdienen, welches Euch, Eurer Meinung nach, ebenfalls zustünde, wenn die Welt nur gerecht wäre. Recht habt Ihr. Auch ich trete für meinen Anspruch auf ein vernünftiges Gehalt ein. Besonders vehement vertrete ich dieses Recht während der Einstellunsverhandlung. Aber Ihr, die ihren Beruf so hoch professionell, stets freundlich und voller philanthropischer Güte ausübt, zeigt mir, daß es auch anders gehen kann.

Was man braucht, sind Geiseln. Seelenlose – beinahe menschenähnliche – Genossen, welche im Alltag von Euch, wahrscheinlich in vorauseilender Vorfreude der gerade stattfindenden Aktion, bestenfalls unfreundlich, schlimmstenfalls auf das Garstigste behandelt werden. Aus Eurer Sicht stört das Pack nur, welches sonst von Euch gnädigerweise herumgefahren wird, und hat diese neuerliche Geiselnahme schlußendlich verdient. Außerdem geht es ja um Eure Brieftasche, und da können andere ja schon einmal ein Opfer bringen. Wäre ja noch schöner, wenn sich jeder selbst um sein Wohl und Weh kümmern würde. Pff. Das kann der Rest der Welt gerne machen. Ohne Euch.

Nun. Ich – kurz vorm Stockholm-Syndrom stehender – dankbarer Fahrgast gönne Euch alles Gute und freue mich, ab morgen wieder von Euch in gewohnter Manier angepöbelt oder missachtet zu werden. Ach ja, wenn ich, wie vorgestern, auf Euch zusprinte, in der Absicht den Bus noch zu erreichen, lächelt mir einfach wieder zu. Winkt sogar noch. Fahrt dann aber einfach an mir vorbei.

Das war lustig.